Alles um Bruce Springsteen und die E-Streeter.
So 22. Mär 2009, 21:03
Wie es die Tätigkeit eines Musikkritikers so mit sich bringt, muss dieser arme Mensch Rezessionen schreiben über jede Art von Musik, sei es Klassik, Rock, Metall, Punk, Schlager, Jazz und so weiter und so weiter.
Wenige Musikkritiker der Welt werden in der Lage sein, echte Kenner des Künstlers zu sein, über dessen Werk sie gerade urteilen müssen.
Und so kommt es, wie es kommen muss, gefüttert mit Pressemitteilungen und vielleicht in Kenntniss des einen oder anderen Blockbusters schreibt der arme Mensch seine Kritik und verteilt großzügig Allgemeinplätze über Werke und Konzerte.
Schade drum, so könnte ein Laie, gut informiert über den jeweiligen Werdegang und kenntnissreich im Künstlerwerk wohl häufig eine bessere Rezession oder Kritik schreiben.
Selten ist die Meinung der Allgemeinheit, gebildet durch solcher Art Kritiken und in völliger Unkenntniss des gesamten Künsterwerkes, so am Künstler vorbeigegangen wie bei eingangs erwähntem Bruce Springsteen.
Als sich vor Jahren der damalige englische Premiermisnister Tony Blair als Springsteen Fan outete, erntete er Häme für seinen „Maintream Rock Geschmack“ (er erntete desgleichen wohl auch für wichtigere Dinge, aber sei es drum).
Wer sich mit dem Künstler Springsteen mehr als eine Stunde beschäftigt und sein wirklich beachtliches Werk mit offenen Ohren durchhört, wird einige Überraschungen erleben.
Selbstverständlich wird sich einem Fan der großen Klassiker diese Art der Musik wohl nie erschließen, obwohl die Elemente durchaus die gleichen sind:
Freude,
Liebe,
Schmerz
Verzweiflung
Trauer,
Empfindungen eben, die seit Urzeiten die gleiche Leseart haben, transportiert in Musik und hier eben als wichtiges Element, mit Gesang.
Ich neige auch zu der Meinung, dass einen Künstler eine gewisse Beherrschung der Stilmittel, also der Instrumente und des Gesanges auszeichnet.
Aber zur Vermittlung einer Aussage würde ich auch den Punk oder Rap zulassen, von den instrumentalen Fähigkeiten her eher rudimentär, aber sehr wirkungsvoll beim Transportieren einer Message.
Nun beherrscht aber gerade besagter Mr. Springsteen sowohl den Gesang wie auch seine Gitarre ausgezeichnet, sowie, als sein eigenes Stilmittel, die Harp, und seine Arrangements mit wirklichen Musikern verschiedener Musikstile sind einfach großartig.
Dazu kommt ein unglaubliches Talent an Kommunikationsfähigkeit, einhergehend mit seiner Musik, eine Extrovertiertheit, die ihm den Zugang zu Hörern ( und vielleicht auch zu den Menschen im Allgemeinen) in beachtlichem Ausmaßen ermöglicht.
Man wird seiner Musik nicht gerecht, wenn man ihr das Etikett „Mainstream Rock“ verpasst und sich weiter einen Deut um Ausssage und Wandlungsfähigkeit schert.
Was klingt in den Ohren des uninformierten Hörers wie „Mainstraem - Rock“?.
Ist es der Titel „Born in the USA“?
Zugegeben, als ich den Titel in meiner nun schon einige Zeit zurückliegenden Jugend angehört habe, ist mir auch nur der stampfende Rhythmus und der so schön mitzugrölende Referain in Erinnerung geblieben.
Wirklich zugehört habe ich Springsteen (shame on me) erst nach dem „Rising Album“, der Verarbeitung der furchtbaren Vorfälle am 11.09.2001.
Nachdem ich mir die Texte diese Albums selber übersetzt habe, (die beiliegende deutsche Übersetzung war ein gutes Beispiel des Versagens von Übersetzungsmaschinen) bin ich ins Grübeln geraten, habe mich suksessive in die Springsteen Werke hereingearbeitet und einen Künstler kennengelernt, der mich bis zum heutigen Tage mit seinen Songs eigentlich täglich begleitet.
Selbstverständlich ist „Born in the USA „ kein grölendes Bekenntniss: „Ich bin stolz, ein Amerikaner zu sein“, sondern eine bittere Auseinandersetzung mit den verstört zurückkehrenden Soldaten aus Vietnam, und erschreckendermaßen 30 Jahre später mit verändertem Schauplatz genauso aktuell.
Aber, sogar Ronald Reagan hat diesen Song in seinem Wahlkampf einsetzen wollen, was ihm von Springtsteen untersagt wurde ( sprechen die Amerikaner ihre eigene Sprache eigentlich nicht?)
Trotzdem, man darf bei einem US Bürger nie vergessen, ein US Bürger darf trotz allem Patriot sein ( womit wir uns, verständlicherweise und so soll es in unserem Fall auch bleiben, sehr schwer tun).
So kann man vertstehen, und in Kenntniss des Textes auch sehr damit einverstanden sein, dass Springtseen mittlerweile seine Konzerte das 3 te Mal in seiner Deutschlandtourneen mit „American Land“, unter Abspielung des Textes auf der Leinwand beendet ( vielleicht auch nur, um Missverständnissen vorzubeugen?).
Den American Dream kann keiner von uns Hörern wegdikutieren!
Ich habe erwähnt, dass der Springsteenshe ‚Mainstream Rock“, wenn er dann in einigen Songs wirklich auftaucht, immer nur der erste Eindruck des Songs ist.
Warum wird eigentlich so ein Lied wie „Badlands“ oder „Dancing in the Dark“ sogar von jedem öffentliche Radiosender eigentlich täglich noch gespielt?
Wer Springteen live erlebt hat, weiß, dass er unter vollem Einstz seiner gesanglichen, musikalischen und gefühlsmäßigen Möglichkeiten spielt, live absolut nicht zu toppen, aber auch als Studioaufnahme so eindringlich, dass sich einfach jeder Zuhörer in der Aussage der Songs wiederfindet, und dass ohne den Text auch wirklich verstehen zu können.
Kein zweiter Künstler der aktuellen „Rochszene“ versteht es in meinen Augen so sehr, und in so vielen Stilvariationen eine Situation darzustellen, eine Geschichte zu erzählen, ein Gefühl zu vermitteln (bitte lieber Leser, hört euch doch nur einmal am Ende eurer 3.ten Love Affair, desillusiniert und traurig: Human Touch an:
You and me we were the pretenders, we let it all slip away,
Und weiter :
Tell me, in a world without pity, do you think what I’m asking too much,
I just want something to hold on and a little of this human touch, somebody that could just to talk to and a little of that human touch!
Just in this moment, hast du als Hörer doch endlich das Gefühl, nicht so alleine mit deiner Traurigkeit zu sein, und Millionen andere Hörer teilen das Gefühl.
Music saves my live tonight!
Die meisten Springsteenschen Lieder, und das mag die über 30 jährige Faszination ausmachen, die Springsteen für seine Hörer hat, erzählen Geschichten, die jeder von uns, die wir täglich im Leben ums Überleben kämpfen, schon selber erlebt hat. Da spricht einer aus den tiefen, oftmals traurigen Abgründen unserer Seele mit Worten, die wir selber nicht finden können!.
Und Live und im Studio mit einer unglaublichen, ungetoppten Intensität!
Wer sich herinhört in die Springteenschen Werke wird schnell merken, dass die sogenannten Mainsteram Werke nicht mal ein Viertel seiner Lieder ausmachen.
Born to run, bestimmt eines der bekanntesten Songs in Springsteens Laufbahn, kann ich eigentlich jeden Tag auf der Fahrt zur Arbeit hören, weil ich genau dieses Gefühl jeden Tag habe, wenn ich mich dem allgegenwärtigen Daseinskampf stelllen muss.
Es gibt in diesem Werk Songs, die mich so sehr bewegen, dass es mir unmöglich ist, sie als Hintergrundmuik zu alltäglichen Verrichtunegen zu hören, „ Point Blank und danch Backstreet in einer 78 er Liveaufnahme bringen mich immer wieder zum Weinen anlässlich all der Verzweiflung und Aussichtslosigkeit, die sie transportieren.
„Murder incorporated“ auch so ein „Mainstream Song“, der dir die Welt als vereinigte Mörder GMBH darstellt, die dich fressen will, voller Wut vorgetragen, klingt wie „Stadion Rock“, aber eigentlich transportiert der Song eine Aussage wie ein Song der Sex Pisols.
Und dann all sie Lieder vom Scheitern und einem erneuten Versuch handeln, das Leben in den Griff zu bekommen, was um Himmels willen ist in unserem leben mit gescheiterten Beziehungen, bankrotten Arbeitgebernm und verlorenen Träuemen anders?
Das macht wohl das über 30 jährige treue Publikum von Springsteen aus, die Kunst, allzeit aktuelle Fragen in seiner Musik aufzugreifen!
Und dann, last but not least, die pure, reine Freude am Musikmachen!
Wieder muss ich die Konzerte erwähnen, die unnachahmbar diese Spielfreude, die pure, schiere Freude an Muik zum Ausdruck bringen:
Kitty’s back, als Klasse Jazzrock – Stück,
The Fever, leider sehr selten, Springsteen als Bluessänger,
Auf der von mir vor ein paar Tagen entdeckten CD: !Rocking live from Italy 1993“ findet man mit „Light of day“ ein echtes Hardrochstück und eigentlich ist die ganze CD sehr „anders“.
Wirklich, kein Mainstream Rock geht auf der DVD „Live at Dublin“ ab!
Springtseen spielt hier altes amerikansiches Liedergut und seine eigenen Songs in dem gleichen Retro – Stil.
Und es ist wieder die gleiche, unglaubliche Intensität, diese Mischung, kaum in Worte zu fassen, aus Übermut und Melancholie ( Edo Rentz, 27.12.2007, FAZ) die den Hörer ungeachtet des gewählten Ausdrucksmittels wirlich im tatsächlichen Wortsinn vom Stuhl reißt.
Take a look at this!
Ich empfinde es als Spiegel eines Lebens, was Springsteen musikalisch zum Besten gibt, und es schließt sich eigentlich ein Kreis, der mit” I wanna be were the Bands are“ ( There’s a sound, little girl, keeps ringing in my ears)aus den 70 ern und “Radio Nowwhere“ ( I want to hear some rhythm, I want a thousand guitars) aus 2007 schließt: That’s music, ich lebe, fühle, bin durch Musik!
Es scheint ja, als würde uns das noch ein wenig erhalten bleiben!
Nun habe ich mich, weil ich darin meine ganz spezielle Entspannung finde, sehr intensiv mit diesen Songs beschäfigt, und würde noch viele weitere Beispiele finden.
So möchte ich einfach damit aufhören und sagen:
Take a look at all of them!! Höre zu und dann weisst du, was einen Musiker ausmacht,- und lese, bitte, nie wieder Konzert – und CD Kritiken von genervten Redakteuren, die nur ihr Pflichtprogramm abspulen!!
Höre Bruce Springsteen zu und vielen anderen wirklich guten Musikern zu,-sie nehmen dich mit in ihre Songs, besser, als jeder Film es kann, in deinem eigenen Kopfkino.
Try this
Mo 23. Mär 2009, 16:31
Ich stimme dir zu Humantouch.
Bruce wird von den allgemeinen Musikhörern unterschätzt,weil sie die Lieder von Springsteen nicht oder kaum kennen.Da spielt natürlich das Äussere vom Boss eine Rolle.Vorallem das Aussehen in den 80ern mit Muskelshirt,Stirnband und läsigem Outfit nicht zuletzt das Lied "Born in the USA" trugen dazu bei.
Da bekommen viele Nichtfans den Eindruck "er spielt mäßig Gitarre","ist ein Poser" und ein "Nationalist".
Alles ist völig falsch,das Gegenteil ist der Fall.Er ist ein brillanter Gitarrist kann mit jedem Gitarristen auf der Welt mithalten,ich behaupte Springsteen ist der beste Gitarrist der singen kann.
Zudem spielt der die anderen Instrumente auf hohem Niveau,nicht zu vergessen sein Gesang,er kann alle Musikstilrichtungen locker singen.
Und nicht zuletzt ist Bruce wahrscheinlich der beste noch lebende Songschreiber.
Er ist patriotisch liebt sein Land und seinen Bundesstaat New Jersey,über die der Boss viele Songs geschrieben hat.Aber er ist durchaus kritisch,prangert soziale Missstände an,kritisiert den Irakkrieg scharf und vieles mehr.
Ja,wenn man sich mit dem Phänomen "Bruce Springsteen" bisschen näher beschäftigt,erkennt man rasch was für ein großes Musikgenie er in Wirklichkeit ist.
Seine Kreativität ist schwer beeindruckend,seine Liveshows lässt niemanden kalt und seine Begleitband fasziniert jeden die in den Konzerten waren.
Denke wer den Boss ignoriert,verpasst sehr viel...
WG